Wie heißt es so schön: „It’s the most wonderful time of the year!“
Manchmal habe ich das Gefühl, es ist nicht die wunderbarste Zeit des Jahres sondern die anstrengendste Zeit des ganzen Winters. Ich persönliche finde den Winter nämlich auch anstrengend, weil ich schnell friere. Heute sind es zum ersten Mal Temperaturen unter Null. Es sieht wunderschön aus, wenn die Dächer weiß sind, auf den Hecken der Frost sitzt und die Autos in die Landschaft eingebunden sind, weil sie wie mit Puderzucker bestäubt aussehen.

Aber es ist nicht nur das Frieren, sondern die unveränderliche Existenz von Weihnachtsgeschenkeanzeigen, Social Media Kampagnen, Challenges, der Steuer, Weihnachtsfeiern in der Schule, im Sportverein, im Reitverein, in der Musikschule oder je nach Hobby der Kinder… ich könnte noch weiter machen, aber darum geht es nicht.

Wir müssen ja alle damit zurechtkommen, da wir Teil dieser unserer Gesellschaft sind. Die Frage ist nur, was machen wir mit und was nicht? Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich denke: “ Du könntest deine Terrasse aber auch mal ein bisschen schöner schmücken, als nur den Stern aufzuhängen. Guck doch mal bei Pinterest, was die da alles machen!“
Genau! Ich kann es aber auch so lassen und lieber mit der Familie die Adventskisten aus dem Keller holen und dabei zusehen, wie die Kinder nach ihren Lieblingssachen suchen und sich darüber freuen, Gebasteltes vom letzten Jahr („wo sie ja noch
klein waren..!“) zu finden.

Also habe ich am Wochenende Social Media Social Media sein lassen und die Freude meiner Kinder geteilt, das Zuhause festlich zu schmücken, ihre liebsten Weihnachtsbücher rauszuholen und das Wohnzimmer ins Chaos zu stürzen.
(Die Kisten stehen natürlich immer noch rum, zwar leer, aber im Weg..)

Dann fiel mir das großartige Buch von Tom Hodgkinson „Leitfaden für faule Eltern“ ein und ich beschloss, statt Abendbrot zu machen, die Familie auf den Weihnachtsmarkt zu schleppen. Denn, wie schreibt er so schön:
„…Menschen, Menschen überall! Geselligkeit und Frohsinn, das sind die Schlüssel. Überdies ist nicht abzustreiten, dass ein klein wenig Alkohol den autoritären Papa schwächt. Man wird weniger streng: „Klar darfst du den Berg saure Pommes von Haribo essen! Greif zu! Was interessiert’s mich?“ Es ist eine unglaubliche Erleichterung, wenn man einfach aufhört, eine Autoritätsperson ein zu wollen, und den eigenen Kindern stattdessen ein Freund wird. Seien sie unvollkommen, lassen sie los.“
sewwell.de (1 von 2)

Also, habe ich losgelassen und zugesehen, wie sich die Kinder von Zuckerwatte und anderen gruseligen Süßigkeiten ernährt haben. Mir schmeckte der Glühwein und ich traf auf Freunde, die ich vor lauter Stress lange nicht gesehen oder gesprochen hatte und dann dämmerte es mir langsam.
Ich befand mich direkt mittendrin, in der wundervollsten Zeit des Jahres und es war überhaupt nicht anstrengend und auch nicht kalt – mir war plötzlich ganz warm
ums Herz…

 

 

Sewlong. Petra

(P.S.: Das Buch muss man natürlich mit einem Augenzwinkern sehen. Es heißt nicht, dass wir uns jetzt alle einen antüdeln sollen, damit wir nicht mehr gestresst sind! 😉 Aber es macht viel Spass zu lesen, und nimmt einem ein bisschen von dem Anspruch perfekt sein zu müssen.)

 

 

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